Beschreibung
Die Geschichte der ungarischen katholischen Gemeinde in Lorain (Ohio) fügt sich nahtlos in das allgemeine Muster der Entstehung und Entwicklung der nordamerikanischen ungarischen Diaspora ein, in dem sich die Einwanderungswelle Ende des 19. Jahrhunderts, die rasche kirchliche und institutionelle Organisation sowie die Assimilierung und der institutionelle Rückgang in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich erkennbar sind. Ungarn waren bereits seit den 1880er Jahren in der Stadt präsent, was damit zusammenhängt, dass Cleveland und seine weitere Umgebung als eines der Zentren der amerikanischen industriellen Entwicklung eine beträchtliche Anzahl mitteleuropäischer Einwanderer, darunter auch Ungarn, anzog. In diesem Umfeld erfüllte die Organisation der Religionsgemeinschaft nicht nur eine seelsorgerische, sondern auch eine identitätsstiftende Funktion, da sie einen der wichtigsten institutionellen Rahmen für die Bewahrung der ungarischen Sprache und Kultur darstellte.
Die Gründung der örtlichen ungarischen katholischen Gemeinde erfolgte 1890, als zu Ehren von König Stephan die erste Gemeinschaftsstruktur entstand. Diese anfängliche Form verfügte noch nicht über einen eigenständigen Pfarrbezirk, da die seelsorgerische Betreuung von Priestern aus Cleveland gewährleistet wurde. Wie für diese Zeit typisch, gelangten die in der Diaspora lebenden Gläubigen erst nach und nach dahin, einen eigenen Priester und eine eigene Kirche unterhalten zu können. Die von den Namen József Brunkala, Károly Böhm, Róbert Paulovits, Géza Messerschmidt und Antal Hegyi geprägte Zeit war somit eine Übergangsphase mit missionarischem Charakter, die die Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde vorbereitete.
Den entscheidenden Wendepunkt brachte das Jahr 1904, als die Diözesanleitung mit József Szabó einen ständigen Seelsorger in die Gemeinde entsandte. Während seiner Amtszeit wurde der entscheidende Schritt zur Institutionalisierung vollzogen: 1905 wurde die Pfarrei St. László gegründet, die sich ausdrücklich an die ungarischen Gläubigen richtete und innerhalb kurzer Zeit, nämlich bis 1908, auch über eine eigene Kirche verfügte. Diese Entwicklungsphase ist ein typisches Beispiel für die Entstehung der ungarisch-katholischen Pfarreien in Amerika, wo das Versammeln in provisorischen, oft englischsprachigen Kirchen schnell durch die Gründung einer eigenständigen, national geprägten kirchlichen Einrichtung abgelöst wurde.
In den ersten Jahrzehnten der Pfarrei sind relativ häufige Wechsel der Seelsorger zu beobachten, was zum Teil auf die Schwierigkeiten bei der organisatorischen Festigung der Gemeinde hindeutet. Die Zeit der Stabilität und Entwicklung setzte während der Amtszeit von Pfarrer Endre Köller zwischen 1914 und 1927 ein, als bedeutende Bauvorhaben und die Gründung von Einrichtungen stattfanden. Zu dieser Zeit wurden ein neues Pfarrhaus und eine Schule errichtet, und die Töchter des Göttlichen Erlösers, für die auch ein Kloster errichtet wurde, schlossen sich dem Bildungswesen an. Diese Zeit kann als die institutionelle Vollendung der Gemeinde angesehen werden, in der neben dem religiösen Leben auch der Bildungsbereich und die Gemeinschaftsorganisation gestärkt wurden.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und danach stabilisierte sich der Betrieb der Pfarrei weiter. Während der langen Amtszeit von Ernő Rickert als Pfarrer zwischen 1927 und 1948 rückte die wirtschaftliche Konsolidierung der Gemeinde in den Vordergrund, insbesondere durch die Tilgung der Schulden aus früheren Bauvorhaben und die Gestaltung der Umgebung der Kirche. Die Anwesenheit mehrerer Kapläne sowie die zunehmende Bedeutung der Jugendarbeit deuten darauf hin, dass die Gemeinde zu dieser Zeit noch eine beträchtliche Größe hatte und aktiv war. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte die Pfarrei unter den Pfarrern Zoltán Demkó und später Sándor Demetzky nicht nur als religiöses, sondern auch als kulturelles Zentrum, was die Einrichtung des Ungarischen Volkskunstmuseums im Untergeschoss der Kirche deutlich zeigt. Der Besuch von Kardinal József Mindszenty im Jahr 1974 stellte zudem eine symbolische Stärkung der Beziehungen zwischen der Diaspora und dem Mutterland dar.
Die Vielfalt des Gemeinschaftslebens zeigt sich in der Tätigkeit verschiedener Vereine und Gesellschaften, die sowohl religiöse als auch soziale und kulturelle Aktivitäten abdeckten. Diese Organisationen sicherten nicht nur den Rahmen für die Ausübung des Glaubens, sondern waren auch wichtige Instrumente zur Aufrechterhaltung der ungarischen Identität. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde jedoch der fortschreitende Assimilationsprozess immer deutlicher spürbar, was sich auch im Rückgang des ungarischsprachigen Seelsorgedienstes zeigte. 1989 endete mit dem Eintritt von Sándor Demetzky in den Ruhestand das ungarischsprachige Pfarrleben, was den Abschluss einer Ära bedeutete.
Die letzte Phase der Kirchengeschichte lässt sich bereits im Kontext der strukturellen Umgestaltung der amerikanischen katholischen Kirche interpretieren. Im Zuge der 2010 durchgeführten Diözesane-Reorganisation wurde die St.-László-Kirche geschlossen, was kein Einzelfall war, sondern Teil des allgemeinen Rückgangs ethnischer Pfarreien. Das Gebäude wurde später von einer anderen Konfession genutzt, während ein Teil der Einrichtungsgegenstände in einem musealen Umfeld erhalten blieb. All dies veranschaulicht gut, wie die Einrichtungen der einst blühenden ungarischen katholischen Gemeinschaften ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, während ihre Erinnerung und ihr kulturelles Erbe in anderer Form weiterleben.
Insgesamt ist die Geschichte der ungarischen katholischen Gemeinde in Lorain eine typische Diasporageschichte, in der die aufeinanderfolgenden Phasen der Einwanderung, des Aufbaus von Institutionen, der Blüte der Gemeinschaft und schließlich der Assimilation gut nachvollziehbar sind. Die Pfarrei fungierte über mehr als ein Jahrhundert hinweg nicht nur als religiöses, sondern auch als soziales und kulturelles Zentrum und spielte eine bedeutende Rolle bei der Bewahrung der ungarischen Identität in den Vereinigten Staaten.